Gewerbliche Schule Im Hoppenlau

Entwicklungsgeschichte der Hoppenlau Gewerbeschule von 1926 - 1953

19. Juni 1926

Einweihung der Gewerbeschule Im Hoppenlau, Ecke Rosenberg- und Seidenstraße. 

Der Schwäbische Merkur schrieb hierüber:
 " In dem Neubau, der als Ersatz für die schon seit langem unzulängliche Torschule bestimmt ist, werden die Abteilungen für Buchgewerbe, Graphik, Bekleidungsgewerbe, die Nahrungsmittelberufe und andere gelernte Berufe, wie Friseure, Zahntechniker, Feinmetallberufe und Gärtner untergebracht."   

 Rektor Baß bezeichnete den Eröffnungstag als einen Freudentag für die Gewerbeschulen, vor allem für die Lehrer und Schüler. Er betonte, daß mit der Fertigstellung des Neubaues die 1907 begonnene Umorganisation der Gewerbeschulen in Stuttgart zu einem gewissen Abschluß gekommen sei. Die neue Schule enthielt neben 16 Schulsälen  23 Werkstätten und 1 Vortragssaal; damit konnte sie das immer stärker auftretende Bedürfnis nach der Einrichtung von Werkstätten einigermaßen befriedigen. Bald zwang die steigende Schülerzahl jedoch zur teilweisen Belegung der benachbarten Rosenbergrealschule, deren Räume dann im Laufe der Zeit mehr und mehr von der Hoppenlau-Gewerbeschule übernommen wurden. 

1933 ...

Am 18. Juli 1933 schied der bisherige Schulleiter, Dirketor Jakob Baß, altershalber aus. In einer Abschlußfeier wurde seine Arbeit für die Hoppenlau-Gewerbeschule und seine Bedeutung für das gesamte Gewerbeschulwesen eingehend gewürdigt. "... so ist Herr Baß der Direktor der größten und zugleich buntesten Stuttgarter Gewerbeschule geworden. Denn bunt ist diese Schule, was die vielen darin vertretenen Berufsgruppen anbelangt, ... . Die Gewerbeschule im Hoppenlau hat sich unter seiner Führung einen guten Ruf verschafft, und der Name Baß ist nicht nur in Württemberg und in Deutschland, sondern selbst über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt geworden."

1933 bis 1935 war Gewerbeschulrat Lengener stellvertretender Schulleiter der Hoppenlau-Gewerbeschule, während die graphische Abteilung der Schule, welche im gleichen Schulgebäude verblieb und seit 1928 die Einrichtung einer höheren Fachschule erstrebte, den Graphiker Walter Jakobs als eigenen Schulleiter erhielt. Während dieser Zeit wurden die Keramiker an die Weimarschule abgegeben und die Bäcker, welche bisher noch in innungseigenen Schulen im Abendunterricht geschult worden waren, in die Hoppenlau-Gewerbeschule übernommen. Die Schülerzahl steigt damit auf 2000.

1935 ...

1935 wird Gewerbeschulrat Friz (Weimarschule) zum Schulleiter bestellt. Unter ihm werden 1936 die Berufsgruppen der Schneider, Schumacher, Polsterer und Chemotechniker an die Gewerbeschule Feuerbach abgegeben. Als Direktor Friz  1937 mit der Leitung der Weimargewerbeschule beauftragt wird, kommt Gewerbeschulrat August Mayer aus Ulm als sein Stellvertreter.

1939 ...

1939 bringt der Beginn des zweiten Weltkrieges vielerlei Veränderungen und durch Einberufung mehrerer Lehrer eine Kürzung der Unterrichtsstundenzahl. Auch der Schulleiter wird zum Kriegsdienst eingezogen; Stellvertreter ist Gewerbeschulrat Vincon. Er führt die Geschäfte weiter, als im Juli 1940 Direktor Mayer in Frankreich tödlich verunglückt und der im Felde stehende Gewerbeschulrat Ebensberger zum Schulleiter ernannt wird. Erst 1943 kehrt dieser zurück und übernimmt die Schulleitung.

1944 ...

In den nächsten Kriegsjahren wird der Unterricht durch zahlreiche Fliegerangriffe und vielfache Schäden   am Schulgebäude  stark gestört.  Entscheidend ist der Angriff in der Nacht vom 12. zum 13. September 1944, in der das Hoppenlau-Schulgebäude ausbrennt und das nebenliegende Gebäude der Rosenbergrealschule völlig zerstört wird; damit wird jeder Unterricht unmöglich.

 

 

1945 ...

1945 wird zuerst in einigen Räumen der Jakobschule wieder Unterricht aufgenommen; in der Hölderlinschule (Mädchengymnasium) werden durch Selbsthilfe einige Räume notdürftig hergestellt; dort wird auch ein Rektoratszimmer eingerichtet. Im Oktober 1945 erfolgt die Suspendierung einer Reihe von Lehrern. Die Schulleitung der Hoppenlau-Gewerbeschule übernimmt der an der Gewerbeschule und Fachschule für das graphische Gewerbe tätige Gewerbeschulrat Gottlob Held für beide Schulen. Die Schulen erhalten für Unterricht und Rektorat Räume in der Raitelsberg-Volksschule.

1947 ...

1947 wird für die Hoppenlau-Gewerbeschule wieder ein eigener Schulleiter eingesetzt, Gewerbeschuldirektor Dr. Reis; unter ihm erhalten die Zahntechniker Unterrichtsräume in Weilimdorf (Wolfsbusch-Schule), die Gärtner Räume in Zuffenhausen (Hohenstein-Schule) und die Friseure in der Zeller-Schule.
Nach der Währungsreform wird das alte Hoppenlau-Schulgebäude Seidenstaße 43 zunächst provisorisch, später laufend ausgebaut; es können nun einige Unterrichtsräume und die Werkstätten der Bäcker und Konditoren im Untergeschoß wieder benutzt werden.

1949 ...

Am 1. März 1949 wird auf Antrag der graphischen Verbände durch die Verwaltungsabteilung des Gemeinderates das Gebäude Seidenstraße 43 im wesentlichen der Berufs- und Fachschule für das graphische Gewerbe zur Verfügung gestellt. Diese Entscheidung bedeutet für das Lehrerkollegium der Hoppenlau-Gewerbeschule deshalb eine große Enttäuschung, weil der bestehende Zustand mit seinen erschwerten Arbeitsbedingungen sich damit auf lange Jahre zu erstrecken droht. Die Schule, welche zu dieser Zeit 1600 Schüler hat, ist in fünf verschiedenen Schulgebäuden der Stadt untergebracht.

1950 ...

Am 24. Oktober 1950 wird die Schule nach dem Ausscheiden von Berufsschuldirektor Dr. Reis vom neuen Schulleiter, Studiendirektor Dr. Wagner, der bisher die Dentistenabteilung der Schule betreut hatte, übernommen. Die brennendste Frage war die Schaffung neuer Werkstätten und weiterer Schulräume; nachdem alle Versuche, eine Aufteilung der alten Hoppenlau-Schule zwischen der Graphischen Fachschule und der Hoppenlau-Gewerbeschule zu erreichen, gescheitert waren. Außerdem stellten Kammern und Organisationen in den Abschlußprüfungen fest, daß sich infolge der verkürzten Unterrichtszeit und des fehlenden Werkstattunterrichts die Leistungen der Lehrlinge in zunehmendem Maße verschlechterten.
Im Dezember 1950 wurde in einer Denkschrift, welche von allen beteiligten Innungen und Verbänden unterzeichnet und unterstützt wurde, auf die bestehenden schlechten Unterbringungsverhältnisse der Hoppenlau-Gewerbeschule hingewiesen. Besonders dringlich war die Frage des Werkstattunterrichts für die Abteilung der Friseure. Nach langwierigen Verhandlungen der Schulleitung und des Landesverbandes der Friseure erhielten die Friseure dann im Juli 1951 in der Wilhelms-Oberschule zwei Unterrichtsräume und zwei Werkstätten mit vorbildlicher Einrichtung.

1951 ...

Am 1. September 1951 wurde mit dem Hotel- und Gaststättenverband ein Übereinkommen getroffen, wonach der gesamte Nachwuchs der Kellner und Köche im Bad-Hotel Überkingen bei Geislingen a. d. Steige kursweise eingeschult und dort internatsmäßig untergebracht werden konnte. Die Lehrlinge des Gaststättengewerbes werden noch heute in Bad Überkingen zusammengefaßt unterrichtet, nachdem die Stadt Stuttgart die Schulträgerschaft über diese Abteilung der Hoppenlau-Gewerbeschule übernommen hat.

1952 ...

Am 27. Februar 1952 wurde vom Schulleiter das gesamte Raumprogramm für die Hoppenlau-Gewerbeschule dem Gewerbeortsschulrat vorgetragen und von ihm gutgeheißen. Es sollte zunächst zur Unterbringung derjenigen Abteilungen, welche bisher Räume in Volkschulgebäuden belegt hatten, ein 1. Bauabschnitt in Angriff genommen werden. In der Vollversammlung des Gemeinderats vom 17. Juli 1952 wurde die Erstellung des neuen Schulhauses nach den Plänen des Hochbauamtes der Stadt Stuttgart  unter Leitung von Stadtbaudirektor Dr. Ströbel und des Sachbearbeiters Baurat Amesöder beschlossen. Die Mittel zum Bau wurden im Etat 1952/53 und 1953/54 vorgesehen und bewilligt.

1953 ...

Am 26. April 1953 konnte mit dem 1. Bauabschnitt begonnen werden.

 

 

 

 Bauabschnitt 1 - 1953

Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juli, und am 29. September 1953 konnte nach fünfmonatiger Bauzeit das Richtfest gefeiert werden.

 Der Neubau soll folgende Berufsgruppen aufnehmen:
Die Gärtner und Blumenbinderinnen (mit Bindestube), die Bäcker und Müller (ohne Werkstätten), die Fleischer (ohne Werkstätten), die Zahntechniker (mit Labor, Gips- und Gußraum, Stahllabor und Keramikraum) und die neu eingeschulten zahnärztlichen Helferinnen (mit Sprechzimmer).
Außerdem müssen weitgehend Klassen der Friseurabteilung, welche im Wilhelms-Gymnasium räumlich stark beengt ist, aufgenommen werden. 


Im 1. Bauabschnitt können zunächst nicht untergebracht werden:

  • die Konditoren mit Werkstatt und Verkaufsraum (sie verbleiben zunächst in der Graphischen Fachschule, Seidenstraße 43);
  • die Bäcker-Werkstatt mit Auswertungsraum (sie verbleibt zunächst in der Graphischen Fachschule, Seidenstraße 43);
  • die Friseure und Friseusen mit ihren Werkstätten (sie verbleiben zunächst im Wilhelms-Gymnasium);
  • die Lehrlinge des Gaststätten-Gewerbes (sie verbleiben zunächst in Bad Überkingen).

 

 

 

 

Bild: 1953, Schulleiter Dr. Wagner und Herren der Bauleitung im Gespräch mit dem Bildhauer O.H. Hajek