Gewerbliche Schule Im Hoppenlau

Von der Sonntags-Gewerbeschule zur Hoppenlauschule
1824 - 1926

Entwicklung der gewerblichen Aus- und Weiterbildung in Stuttgart

 

1824 ...

Am 3. November 1824 wurde auf Veranlassung Ihrer Majestät, der Königin Katharina, der Rektor und spätere Prälat von Weckherlin mit der Gründung einer Sonntagsschule für Gesellen und Jungen beauftragt.

1826 ...

Am 8. Januar 1826 wurde diese Sonntags-Gewerbeschule im Alten Kanzleigebäude in Stuttgart eröffnet und bis 1860 weitergeführt, wo sie dann an die inzwischen gegründete Gewerbliche Fortbildungsschule angeschlossen wurde.

1853 ...

Im Jahr 1853 waren die Gemeinden des Landes von seiten der Regierung, vornehmlich auf Betreiben des späteren Präsidenten der Zentralstelle für Gewerbe und Handel, Dr. Ferdinand von Steinbeis (1807 bis 1893), zur Errichtung erweiterter Gewerblicher Fortbildungsschulen aufgefordert worden. Am 19. Dezember erließ die zur Förderung dieser Schulen gebildete "Königliche Kommission für die Gewerblichen Fortbildungsschulen" eine Bekanntmachung, nach welcher mit Anfang des Jahres 1854 in Stuttgart neben der bereits bestehenden Sonntags-Gewerbeschule noch eine erweiterte Gewerbliche Fortbildungsschule eröffnet werden sollte  für diejenigen Gewerbelehrlinge, welche das Bedürfnis fühlen und in der Lage sind, für ihre gewerbliche Ausbildung mehr zu tun, als in den wenigen für die Sonntags-Gewerbeschule bestimmten Stunden möglich ist.
Der Unterricht wurde abends von 8 bis 10 Uhr im Gebäude der Polytechnischen Schule (Königstaße 12) erteilt.

Am 23. Dezember 1853 wies der Gemeinderat der Stadt Stuttgart in einer besonderen Bekanntmachung vom 22. Dezember auf diese neue Schule hin:
"Dieselbe hat die Bestimmung, einem der anerkanntesten Bedürfnisse entgegenzukommen, indem sie für die Verbreitung derjenigen höheren Ausbildung und Kenntnisse in unserem Gewerbestande wirken soll, welche ihn allein befähigt, den Fortschritten der Industrie zu folgen und die Konkurrenz der Fabriken, sowie der ausländischen Gewerbetreibenden zu bestehen... Aus einer eifrigen Bemühung der neuen Anstalt wird sicherlich die Hebung des Gewerbestandes hervorgehen und ein Segen erwachsen, der geeignet ist, diesem wichtigen Stande die Sorgen, welche eine drückende Zeit ihm auferlegt hat, wieder abzunehmen."
Für die Leitung und Aufsicht über die Schule wurde ein eigener Gewerbeschulrat eingesetzt; zum technischen Schulvorstand wurde Professor Erhardt und nach dessen Ernennung zum Vorstand der neugegründeten kaufmännischen Fortbildungsschule Professor Dr. Gugler bestimmt.

1859 ...

Im Jahre 1859 stellte Bäckermeister Weiß (Weißenhof) sein Haus Torstaße 8 Haus Torstraße 8 v. BM Weißfür Schulzwecke zur Verfügung. In ihm wurden die bisher an vielen Orten der Stadt untergebrachten Klassen der Gewerblichen Fortbildungsschule vereinigt und auch die Sonntags-Gewerbeschule dort untergebracht, zunächst noch mit eigener Schulleitung, jedoch unter der gemeinsamen Aufsicht eines neu gebildeten Gewerbeschulrates. Der Gewerbeschulrat bestand aus Direktor v. Steinbeis (Vorstand), Stadtdirektor Oberregierungsrat v. Mayer, Stadtschultheiß v. Gutbrod, Kommerzienrat Sick, Dr. Heidlen, Zimmermaler Kämmerer, Gemeinderat Brodhag und den beiden Schulvorständen Dr. Gugler und Professor Gruner, an dessen Stelle 1872 der Leiter der Oberrealschule Dr. Vogel als Schulleiter trat.

1880 ...

Am 1. Juli 1880 schied Geheimrat Dr. Ferdinand v. Steinbeis als Vorstand der Zentralstelle für Gewerbe und Handel und damit auch als Vorsitzender des städtischen Gewerbeschulrates aus; das von ihm 1853 aufgestellte Programm war die Grundlage für den Aufbau des gesamten Gewerbeschulwesens im Lande und blieb mehr als fünf Jahrzehnte für Württemberg maßgebend. Prälat von Merz sagte beim Abschied über die Tätigkeit von Steinbeis im Namen der Königlichen Kommission für die Gewerblichen Fortbildungsschulen, seit mehr als zehn Jahren sei er Zeuge gewesen, mit welchem Scharfblick, mit welcher Tatkraft und mit welchem hohen praktischen, auf freie Entfaltung der Individuen und freie Bewegung der Schulen gerichteten Sinn er die Gewerblichen Fortbildungsschulen zu einem Juwel Württembergs gemacht habe, mit welcher Liberalität er jedem wirklichen Bedürfnis entgegen, ja zuvorgekommen sei und welches Wohlwollen er allezeit jedem entgegengebracht habe.

1883 ...

Am 7. September 1883 beantragte in einer Sitzung des städtischen Gewerbeschulrates Oberbürgermeister Dr. von Hack in Anbetracht der stetigen Zunahme der Schülerzahl eine weitere Trennung der Schüler nach ihren Vorkenntnissen und besondere Kurse für die Elementarfächer Zeichnen, Rechnen und Aufsatz. Die ersten Elementarklassen wurden noch im gleichen Jahr im Stöckachschulgebäude (Sickstraße 4) errichtet. Im nächsten Jahr folgten weitere Klassen im Bürgerschulgebäude (Kasernenstraße 22), im neuen Schulgebäude in Heslach und in der Römerschule (Hauptstätterstraße 139).

1888 ...

Im Winter 1888/89 bestanden Unterrichtskurse für männliche Angehörige des Gewerbestandes als Tageskurse an Werktagen, als Abendkurse an Werktagen, als Sonntagskurs, für Mädchen und Frauen als Tages- und Abendkurse an Werktagen. Getrennte Fachkurse wurden für Bäcker, Gärtner, Schreiner und Dreher, Schneider und Schuhmacher, Zimmerer und Steinhauer, Maurer und Flaschner, Schlosser und Maschinenschlosser durchgeführt. Die Schülerzahl betrug 1435.

1895 ...

Im Oktober 1895 wurde in einer Denkschrift von J. Diefenbach und Architekt Paul Burkhardt dem Gemeinderat ein Neubau der städtischen Gewerbeschule auf dem Platz Rotebühl- und Silberburgstraße vorgeschlagen und ein Bebauungsplan vorgelegt, der allerdings nicht zur Durchführung kam. Darin kam zum Ausdruck, daß der beschränkte Umfang des bisherigen Gebäudes in der Torstraße nicht nur der Weiterentwicklung des Unterrichtes hinderlich sei, sondern die Schullokale selbst den  derzeitigen Anforderungen in keiner Weise mehr entsprächen. Es wurden auch Lehrwerkstätten gefordert, in deren Einrichtung andere Städte längst mit bestem Erfolg vorangegangen seien.

1906 ...

Am 22. Juli 1906 brachte das Gewerbe- und Handelsschulgesetz, um dessen Zustandekommen sich vor allem Staatsrat von Mosthaf und Ministerialrat Dr. Marquard verdient gemacht hatten, den entscheidenden Fortschritt in der Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Württemberg. Es brachte die Einführung von mindestens dreijährigem pflichtmäßigem Unterricht an Stelle des bisherigen freiwilligen Besuches einer Fortbildungsschule, die Verpflichtung zum Tagesunterricht von mindestens 8 Stunden an Stelle des bisherigen vorwiegend abends oder sonntags durchgeführten Unterrichtes, die Bildung von Fachklassen für die einzelnen Berufe und die Heranbildung besonders ausgebildeter Gewerbelehrer an Stelle von nebenamtlichen Lehrkräften.

1907 ...

1907 wurde der um die Entwicklung des Stuttgarter Gewerbeschulwesens besonders verdiente Mittelschullehrer Jakob Baß von der Stadt Stuttgart mit der Organisation des Stuttgarter Gewerbeschulwesens beauftragt.

1909 ...

Am 1. April 1909 erhielt das Gewerbeschulgesetz in Stuttgart Wirksamkeit, indem zunächst einzelne Jahrgänge der baugewerblichen, kunstgewerblichen und maschinentechnischen Berufe eingeschult wurden; es folgten 1911 die Gärtner, Schneider und Zahntechniker, später die Bekleidungsberufe und zuletzt die Nahrungsmittelberufe. Der Tagesunterricht verlangte auch eigene Schulgebäude; neben dem Ausbau des Cannstatter Schulgebäudes wurde in der Weimarstraße ein neues Gebäude erstellt und 1911 unter Direktion von Dr. Barth bezogen. Ein Teil der Berufe aus der Torstaße zog um, mußte allerdings 1914 wieder zurück, weil die Weimarschule Lazarett wurde. Die Torschule blieb jedoch bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1940 Gewerbeschule.

1912 ...

Am 1. Januar 1912 waren an den Gewerbeschulen 38 hauptamtliche und 14 nebenamtliche Lehrkräfte tätig. Die Schülerzahl betrug 3770 und stieg 1913 auf 4636 an.

1919 ...

1919 wird die Gewerbeschule Torstaße selbständige Schule; zum Schulleiter wird der bisher an der Buchdruckereiabteilung dieser Schule tätige Gewerbelehrer Jakob Baß bestellt. In der Torschule sind nun die graphischen Berufe, die Leder- und Bekleidungsberufe, die Nahrungsmittelberufe, die Dentisten und Zahntechniker und die Keramiker. Der geplante Schulhausneubau muß wegen des Krieges aufgeschoben werden.

1924 ...

1924 treten erneut Raumschwierigkeiten auf; die Bekleidungsberufe müssen in der Jakobschule untergebracht werden. Nunmehr kommt auch der Neubau einer Gewerbeschule im Gewand Hoppenlau, der bereits 1919 geplant war, zur Durchführung; er wird 1926 bezogen und erhält die Bezeichnung: Gewerbeschule im Hoppenlau.